Mittwoch, 27. Mai 2015

Tag 5 - Pause in Burgos 1

Die Würfel sind gefallen. Nach einer unruhigen Nacht in einem 30 Bettzimmer bin ich totmüde. 

Meins ist das vorne oben mit dem grünen Schlafsack

Ich hab mich gestern Abend kurzentschlossen für heute Nacht ins beste Hotel am Platz einquartiert. Quasi als eigenes Geburttagsgeschenmk. Ich freu mich auf ein Bett, eine eigenes Bad und Ruhe. Ist zwar nur ein drei Sterne Haus aber mnit 65 Euro dafür noch erschwinglich und vor allem genau im Zentrum.

Bisl hab ich es heute morgen bereut. Gstern Abend hab ich in der Herberge den Erdinger Chris wiedergteroffen und Die Österreicherin - scheiß Namen vergessen - kennen gelernt. Beide sind heute weiter gezogen, wer weis wie weit. Aber hier trifft man immer wiedr aufs neue Leute, vor allem wenn man nich azyklisch geht.

Nach dem aufstehen war aber die Entscheidung wieder gold wert. Alles ist steif und tut weh. Muskelkater macht sich breit und die Füsse stimmen sich auch in einen "Leck mich am Arsch" Chor ein. Blasen gabe ich offenbar immer noch nicht aber es tut viel weh und eine Stelle, wie gestern beschrieben, ist übel wundgescheuert. Laufen könnte ich zwar noch aber ich bin hier nicht auf der Hatz.

Jetzt sitze ich in einem süssen Kaffee und hab schon ca. 20 andere ausgemacht die ich noch besuchen will. Der Tag wird teuer :D



Die spanischen Fussgängerzonen haben mit den deuitschen kaum was gemeinsam. Dominiert wird hier alles von vielen kleinen Bars die oft auch Kaffee und Restaurant in einem sind. Dazwischen kleine Läden. Bei uns sieht man nur riesige Ketten und deren Geschäfte. Eine Bar sucht man oft vergeblich und Kaffees sind auch oft rar oder Massenverpflegungsstellen. Der Spanier würde sich in einer deutschen Innenstadt wohl kaum wohl fühlen. Hier wirkt noch alles klein , gemütlich, eben Mediterain.

Ich muss immer wieder an die letzten Tage denken und auch an die Menschen bzw. speziell deren Füsse die teils in extrem üblen Zustand sind, wie ich wieder sehen musste. Offenbar gibt es keinen camino ohne Leiden, kein Ziel ohne Einsatz. Er gehört dazu, die eigene Leuterung, wie auch zum Leben, 

Oft denke ich 19,23 oder 30km ist doch eigentlich nix. Viele laufen Marathon, also joggen 42km oder wandern schnellen Schrittes sowas jedes Wochenende, Joy Kelley hatte vor kurzem eine Doku, wo er durch die Wüste gejoggt ist. 120km am Tag , mit kleinem Rucksack. Was sind da schon 20 km Spaziergang mit etlichen kleinen und großen Pausen. Ich muss alle 6km oder 90 min eine größere Pause einlegen. Nachmittags kommen dann alle 3 km noch mal kleine Stopps dazu. Obwohl ich mit 4-5km marschiere, was wohl lahm ist, falle ich dann auf Schneckentempo zurück.

Auf der anderen Seite sage ich mir auch immer, man muss auch die Arbeit sehen, die ein jeder leistet. Wie war das mit - Arbeit = Kraft x Weg ? Und Kraft brauch ich eine Menge um meine Masse in Bewegeung zu setzen. Der durschnittliche camino Pilger hat geschätzt 70-80kg leergewicht. Dazu noch und 4kg am Leib + 10 - 15kg Rucksack. Ich glaube ich hab kaum einen gesehen, der über 100kg Marschgewicht haben dürfte. Ich abe ein Leergewicht von 113kg + 4,5kg am Leibe + 13,5 kg Rucksack bei vollen Wasser Vorräten - also stolze 131 kg Marschgewicht die ich in Bewegung halten muss. Wenn ich denen Sprinter, die bis zu 40 km am Tag zurück legen, noch mal 40 kg auf den Rücken schnallle, würden die keine 10km kommen, 
Klar, der Vergleich hinkt, denn ich bin das Gewicht gewohnt und angepasst, aber wir reden hier von oft  durchtrainierten Leuten, während ich direkt vom Bürostuhl auf den camino gehen. 
Auf gut deutsch, wenn ich 10km gehe, ist das als wenn ein untrainierter normalgwichtiger 15km läuft und ein Marathonläufer  20km. Joey Kelley zählt nicht, der Typ ist nicht nur Ire sondern auch irre :D
Plötzlich sieht eine 20 oder 30km Marschleistung wieder ganz anders aus und erklärt auch die Qualen die Nötig sind, um das zu erreichen, bzw. die vielen Pausen und die Hohe Zeit.

Beim marschieren sind die Pausen extrem wichtig für mich. Ich habe mir eine Weisheit zu eigen gemacht die  Fritz Herberger schon während der WM 54 prägte.
"Nach der Pause ist vor der Pause".... oder so ähnlich....:D
Also auf gut Deutsch, nach dem Frühstück ist vor dem Abendessen.
Plötzlich ist das nächste Teilstück in freudiger Nähe, weil wieder eine Pause wartet.

Ich sitze jetzt im Kaffee beim 4 Kaffee con Leche (Espresso mit durch Dampf aufgeschäumter Milch) und werde die Cathedrale besuchen und anschliesend noch mal eine Runde schlafen. Ich kann immer noch nicht verstehen wie ich einen so brutalen Sonnebrand auf dem Kopf bekommen habe. Draussen ist saukalt und windig. 8-12 Grad. Wenn die Sonne mal rauskommt schwitzt man und friert zugleich, beim marschieren.
Nachmittags, wenn die Sonne als raus kommt,  merkt man schon das die hier extrem brennt, obwohl es nur 17 Grad wird. Kein Vergleich mit unseren breiten. Die Ohren und die Nase sind auch schon rot, aber von Anfang an gut eingecremt. Auf dem Kopf hatte ich dann eigentlich auf die dichte Haarpracht gesetzt.
Wenn ich aufstehe merke ich auch wie steif die Muskeln sind und das rechte Knie, also der Muskel mault. werde die nachher mal mit Voltaren einreiben.

Jetzt gehts erst einmal in die Kapelle zu den ganzen Monstern.....




 

Dienstag, 26. Mai 2015

Tag 4 - nach Burgos

6 Uhr.
Mindest 80% unseres geräumigen 20 Bett Zimmers ist schon auf den Beinen. Ich verstehe das nicht. als wenns was zu gewinnen gebe. Als ich um 7 aufgestanden bin waren nur noch 3 Menschen im Zimmer. Als ich um 8 losging nur noch 2 in der ganzen Herberge.

Um ehrlich zu sein hab ich mich kaum getraut aufzustehen. I konnte gestern auf manchen Fusstellen kaum nich auftreten und vernute gigantische Blasen.
Aber als ich aus dem Bett kam gings. Eigentlich nix. Auch ein Kontrolle ergab zwar gereizte Stellen aber sonst nix was sich als Blase identifizieren lies, Trotzdem klebte ich wieder Blasenpflaster auf die Stellen und eine Menge Hirschtalg hinterher. Das Zeug scheint echt wunder zu wirken, so anfällig wie ich eigentlich bin.

Gestern mit der Gewaltaktion hab ich alles riskiert. Ich hab mich auch eine zeitlang tierisch über mich geärgert und gefragt wie man nur so bekloppt sein kann. Eigentlich war ich tot und völlig gefrustet. Allerdings kommt die Antwort manchmal aus einer Richtung aus der man Sie nicht erwartet. Diesmal aus Bayer von Anja in Form einer Whatsapp SMS. Danke dafür.
Denn Sie hat recht. Es geht darum Grenzen zu überschreiten und den inneren Schweinehund der das bis zuletzt verhindern will. Zu oft steht man sich selbst im Weg und ergibt sich dem Saukerl. Ein jeder kennt das. BeimRauchen aufhören, beim Abnehmen, auf der Arbeit, beim Sport. Esd ist bequemer den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und dem Schweinehund doch nachzugeben.
Kein Mensch hätte was gesagt, wenn ich nach 18km die Herberge aufgesucht hätte. Es gab Tausend gute Gründe dies zu tun. Jeder einzelne plausibel und nachvollziehbar. Und doch, es nagt in einem. Die beiden Rentner die mich in Grund und Boden laufen. Die Uli aus Gau Algesheim, die pausierte weil Sie für 7km volle 2h brauchte . Pffftt.
18km waren genug oder auch nicht. Man kann es unvernunft oder falschen Ehrgeiz nennen, aber mir war klar wenn ich losgehe gibt es kein zurück. Alles oder nichts. Ziel 30km - eine Etappenlänge,  die ich letztes Jahr nicht schaffte.
Und ich hab Sie geschafft. Am Ende aller Kräfte und unter Schmerzen.Aber ich habe Sie geschafft. Ich hab den Schweinehund besiegt und getöte. Auf diese Reise kann er mir nichts mehr anhaben.
Hier habe ich ihn heute zu Grabe getragen. Der oberste große Stein,



Diesen Triumph kann mir keiner mehr nehmen und das Gefühl war alle Risikien wert.
Ab jetzt ist es keine Frage mehr des könnens oder des Willens. Ab jetzt ist jede Etappe nur nich eine Frage des Wollens.

Mein letzter Schlusspunkt war Atapuerca. Gut 6km ntfernt. Die Strecke ging halbwegs gut. Nur eine Blase hab ich wohl doch (noch). Die hab ich aus Deutschland mitgebracht um Ihr mal das schöne Spanien zu zeigen. Leider war Sie nicht ausgeheilt und reibt jetzt tierisch. (Frauen kennen die Stelle an der Hacke - oft von Pumps)

In Atapuerca hatte ich dann ein 1 1/2h Frühstück. Und wieder merkt man wie Stolz die Spanier auf Ihren camino sind. Ich möchte sagen, das die Magie des Weges, gepaart mit der Schönheit Spaniens und seiner Infrastruktur, sowie den Menschen die an dem Weg leben, eine einzigartige Kombination bilden wie Sie nirgends sonst auf der welt gibt.
Bsp gefällig ? : Als ich Atapuerca aufbrechen wollte, cremte ich mir noch mal die Füsse ein vor dem Kaffee. Da saß auch ein älterer Herr, der Sorte der man im Bus freiwillig einen Platz anbietet. Als ich den Rucksak umschnallte vielen meine Krücken - meine Walkingstöcke - um. Mit dem riesen Rucksack und den müden und geschundenen Knochen, ist Bücken gar nicht so einfach. Wie aus dem nichts kam der alte herbeigestürmt hob meine Stöcke auf und reichte Sie mnir mit einem lächeln auf den Lippen, gefolgt von einem "Buen camino". Ohne worte.


Was mir das letzte mal schon auffiehl sind - ich möchte fast sagen Kraftpunkte. Ich bin niemand der esoterisch angehaucht ist oder gar an so Humnbug wie Leylinien glaubt. Aber es gibt Punkte hier, die haben was und ich kann nicht erklären wieso. Eine Stunde gehe ich durch einen Wald. Bäume ohne Ende. Dann über eine Wiese mit verinzelten großen Bäumen. Nix besonderes. Und doch war da plötzlich einer, der einen wie ein Magnet anzog irgendwas besonderes hatte.


Offenbar ging es nicht nur mir so. Vor mir war keiner aber nachmir konnt ich noch mehrmals beobachten das eben genau an diesem Baum Menschen stehen blieben, wenn ich zurück blickte. Und da waren noch mehr Bäume. Warum ausgerechnet an eben diesem. ?

Spanien ist ein schönes Land. Aber die Landflucht und die Wirtschaftskrise sind hier allgegenwertig. Reich und arm wohnen hier Tür an Tür

Oft sieht man verlassene Häuser oder alte Schuppen
die in sich zusammen gestürzt sind, direkt neben frisch renovierten Häusern.

Der Weg von Atapuerca nach Burgos central ist 21km lang und den bin cih bereits gegangen. Meine Ziel ist erreicht, ich bin jeden einzelnen Meter den ich letztes Jahr übersprungen habe gegangen. Leider fährt hier kein Bus, was mir vorher klar war. Daher werde ich den Weg nach Burgos ein zweites mal bestreiten. Lediglich den Gewerbepark und die Stadtrandsiedlungen werde ich versuchen mit dem Bus abzukürzen.
Nicht zuletzt beim Laufen merke ich das mir der gestrige Tag noch deutlich in den Knochen steckt.


Der Weg ist hier sehr steil und steinig. Er erinnert deutlich an den Lebensweg. Auch der ist oft steil und steinig. Manchmal muss man einen Umweg nehmen und manchmal ist auch Schritt zurück in dir richtige Richtung. Nur wenn man sein Ziel nicht aus den Augen lässt und nicht aufgibt, kleine Schritte geht, kommt man an. Unweigerlich. Der eine schneller, der andere später. Aber wer seinen Weg geht, kommt ans Ziel. Auf dem camino genauso wie im wahren Leben.


Bei dem anstrengenden aufstieg musste ich unweigerlich wieder an Karl und Deborah denken, die ich letztes Jahr traf. Ich hatte kurz vorher noch Ihren Blog gelesen. Die haben den Weg geschafft. Natürlich mit Umwegen, aber Sie kamen an. Sie haben das eigentlich unmöglich möglich gemacht. In meinen Augen sind diese zwei wahre Helden und im Moment Quelle meiner Kraft.


Diese zwei sind der lebende Beweis, das alles möglich ist, egal wie alt, wie gebrechlich und wie unmöglich es scheint. Man muss nur Wollen und den inneren Schweinehund bezwingen.

km 18
Ich bin schon wieder völlig am Ende. Eigentlich gehts aber irgendwie auch nicht. Ich muss alle 3km pausieren und komme so kaum vorwärts. Mittlerweile sind alle akkus leer. Die meines Handys, meiner Powerbank uind meine. Noch 3km bis zum nächsten Bus in Villafria, 8km auserhal Burgos center.

km 23 Ankunft Burgos
Der Bus hielt 2km vorm Zentrum. Ich hab dadurch ca. 5 -6 km übersprungen, die ich hätte nicht laufen wollen. Alles tut höllisch weh, vom Fuss bis zur Schulter.
Spele mit dem Gedanken ein Hotel zu nehemen, so zum Geburstag. Finde aber kein bezahlbares und hab keine Kraft zu suchen. Also ab zur Herberge in eine 30 Bett Zimmer im 6ten Stock (zum Glück hats da Aufzüge)
Erst Duschen, dann Wäsche waschen. Offenbar hab ich doch sehr Druckempfindliche Stellen an den Füssen, also hohes Blasenrisiko dort. Kann kaum noch die Glieder bewegen. Als ich auf die Waschmachine wartete hab ich mich Rücklings auf eine Bank gelegt. Als ich aufstehen wollte wurde es peinlich. ich kam nicht mehr hoch. Wie ein Käfer auf dem Buckel. Erst eine helfende Hand.......


Nach dem Duschen ist noch etwas ganz schrekliches passiert. Ich wollte mir die Haare kämen und das tat sauweh. Eine Kontrolle ergb ich hab tatsächlich Sonnenbrand auf der Kopfhaut. Eigentlich was völlig unmögliches, da die Haare die ja schützen. OK bei Leuten bei denen es im Alter etwas lichter wird mag das sein, aber doch nicht bei mir. Offenbar war es ein schwerer Fehler vorher noch mal zum Frisör zu gehen und auf Kurzhaar umzustellen. Das gepaart mit dem Wind der die Haare bewegt könnte therotisch kleine Kopfhautsellen temporär freilegen. Aber gleich Sonnenbrand ?????


Jetzt sitze ich hier im Kaffee und hab noch so viele Gedanken, die ich eigentlich niederschreiben möchte, aber die Akkus...

Ich erwäge ernsthaft hier morgen zu pausiern und mir Burgos anzusehen. Zum einen würde es meinen Muskeln gut tun, zum anderen ist Burgos wirklich eine Reise wert. Ich bin nun zum dritten mal hier und war noch nie in der Katedrale. Ein stück weiter ist ein Museum, hier hats tausend hochinteressante Kaffees die ich noch nicht kenne. Die Zwangspause letztes Jahr in Pamplona hat mir auch eine wunderschöne Stadt eingebracht und war es echt Wert. Ab davon hab ich Urlaub und wer weis wann ich je wieder hier bin. Sozusagen ein nachträgliches Geburtstag Geschenk.

Ich werde das morgen früh adhoc entscheiden, falls ich ein bezahlbares Hotel finde, da man inden Herbergen immer nur einmal nächtigen darf.




Montag, 25. Mai 2015

Tag 3 - Der Tag

Nach dem ausgiebigen Frühstück gehts weiter. Den Rucksack hab ich jetzt anders, so das ich das Gewicht mehr auf die Hüfte verteilt und weniger auf den Schultern liegt. Mein Kreuz hats mir Gedankt. Allerdings war der Schmerz nicht weg, sondern ist zur Hüfte weiter gewandert. Diese meldete sich lautstark das Sie doch auch gerne noch ein Wörtchen mitzureden hätte.



Nach einem stärkenden Frühstück geht das laufen schon deutlich besser. Allerdings bin ich meist alleine auf dem Weg, da ich immer noch azyklisch Laufe. Es gibt zwar alle paar km eine Ortschaft mnit Herberge, allerdings gibt es bedingt durch die Reiseführer große Anlkaufpunkte. In meiner letzten Kascheme - äh ich meine Herberge - waren gerade mal 10 Leute. Die war auch Mitten im niemandsland.




Der Weg ist hier sehr eben und überwiegend mit Feldern, immer parallel in der Nähe der Schnellstraße, die man daher auch dauernd hört.

Aber auch ganz neue Sachen habe ich hier gesehen. Ich war mir nicht bewusst, das es so was gibt. In deutschen Geschichtsbüchern wird vereinzelt davon berichtet das es so was mal gab.

 
Eine Straßenbaustelle. Mit Arbeitern. Also ich meine keine Gestalten die rumstehen und sich über irgendetwas aufregen. Ich meine Menschen die arbeiten. Mit Ihren Händen. Richtig arbeiten. 5 Stück in dem kleinen Abschnitt. Einer hat dabei sogar gesungen und das nicht weil der erste Kasten Bier leer ist, wie bei uns um die Uhrzeit auf einer Baustelle üblich.

Das ich sowas nochmal erleben darf , hätte ich auch nicht gedacht.

Langsam werden aber die Beine schon wieder schwer. Vor allem das rechte Knie macht argh ärger. Weniger das Gelenk, als mehr die Bänder, Sehnen und Muskeln in der Kniekehle. Die spüre ich bei jedem Schritt. Auch das Bein voll durchzustrecken ist unangenehm Versteh das gar nicht, dabei hab ich doch schon vor Jahren beschlossen nicht mehr zu altern, sondern die nächsten 10 Jahre nur noch jünger zu werden. So gesehen werd ich jetzt bald 35. Also mit dem Alter kann das dann eindeutig nichts zu tun haben. 


Ich glaub kaum das ich heute soweit komme wie gestern. Aber weniger als 18km wären nur peinlich.


KM 18 Villa Franca Montes de Orca.

Ich bin ziemlich alle. Die Strecke ware eigentlich easy. aber bin trotzdem alle, Ich muss mich entscheiden. Ich kann hier in einer Herberge bleiben. Von hier fährt auch ein Bus nach Burgos, was gar nicht schlecht wäre. Ab hier weicht der Weg von der Schnellstraße  ab ud es gibt keine Bushaltestellen mehr. Mein geplanter Schlusspunkt Atapuerca ist weit ab von allem und doppelt laufen will ich Strecken uch nicht. Somal das Stück nach Burgos zu 50% Gewerbegeiet war. Erst mal in den Supermarkt was zu essen kaufen.

Weitergehen würde bedeuten nochmal 12km bis zur nächsten Herberge, wir haben schon nach 13.00 und mir tut alles weh. Von den qualmenden Socken ganz zu schweigen. Es gibt auch keine Ortschaften mehr auf dem Teilstück. Also entweder alles oder gar nichts.

Ich geh weiter.

KM 21 - im nichts.

Der Weg hat mir ganz schnell gezeifgt wie bekloppt ich bin. 2km nur steil bergauf.


Bin völlig ausgelaugt. 2km könne übel lang sein. Bin jetzt an einer Aussichtsstelle angekommen, wo ein Waldschratt sein Zelt aufgeschlagen hat und den Gaskocher in Betrieb nimmt. Der muss min 20 kg dabei haben. Komischer Kauz.


Nach dem essen, habe ich mich etwas hingelegt auf eine Steinbank. Die gemütlichste Bank auf der ich je war - zumindest gefühlt.

Offenbar bin ich vor erschöpfung eingeschlafen, denn jetzt haben wir halb vier. Ich fühl mich zwar wieder besser, hab aber noch 10km vor mir. Auf gehts.

Nachtrag nacdem ich jetzt wieder steh , nehm ich das mit dem besser wieder zurück

KM 24 - im nichts

Nichts geht mehr. Vene wa blue, Game Over, Tilt. Mine Kraftreserven habe ich schon vor einer h aufgebraucht und laufe nur noch auf Notreserve. Auf und ab.


200 m steil bergab, 200m steil bergauf. Wohlgemerkt Höhenmeter.
Der Weg führt zwar durch den Wald, aber einem reinen Nutzwald. Nur Nadelholz, mit 30m breiten Wirtschaftswegen auf denen offenbar schwere Maschinen fahren.


Nicht so dolle. Ich mache gerade Pause und würde am liebsten liegen bleiben. Das rechte Knie macht immer noch Probleme und das linke gesellt sich solidarisch dazu.
Ich hab das Gefühl mir grad tausend blasen zu holen. Jeder Schritt wird unangenehm. Ich muss unweigerlich an den Gewaltmarsch nächstes Jahr nach Zubiri denken. Das selbe ist das hier auch. Nur damals war ich nach 25km da, jetzt hab ich noch 5km vor mir. Ich hab keine Idee wie das noch gehen soll. Eräge ernsthaft hier im freien zu übernachten.



 KM 27 - Auf dem Friedhof

Ich sterbe. Hab mich gesetzt kurz und komme nicht mehr hoch.Noch 2km. Eine gigantische Entfernung. Alle Reserven aufgebraucht. Ein Glück hab ich meine Krücken .... ähm meine Nordic working Stöcke.... dabei. ergauf diene die als Antrieb, später als 3tes und 4tes Bein zur Stabilisierug, im Moment nur noch als Stütze. Der Rucksak hat gefühlte 10kg zugenommen. Durch das "Nordic" Walking macht sich auch der ganze Schultergürtel bemerkbar. 

KM 30 - Sant Juan de Ortega
Blasen, uberall aua...sterben..
Und hier am Emofang der Herberge ist keiner.
Nach einer halben Stunde bekam ich ein Bett. Essen, Duschen.
20:00 Bett - sterben im 20 Bett Zimmer.


Tag 3 - Aber heute

Tag 3 - jaaaa, Tschakaaaaa heute lauf ich 35km wie ein junger Gott.

Ok nachdem ich aufwachte - um halb sechs, meine Rentner gehen auf die Pirsch - zwickte immer noch alles. Leider auch das Kreuz.
Die zwei sind wie eine Maschine, im immer seben Rythmus...nix für mich...wo ist der Kaffee........

Zum Glück habe ich (noch) keine Blasen aber deutlich gereizte Stellen. Sicherheitshalber kommen jetzt schon die Blasenpflaster und viel Creme zum Einsatz.

Um 7 war ich fertig. Spüli gabs immer noch keines und auch nicht das angepriesene Frühstück. Also auf in den nächsten Ort - in 6 km.

Der Weg war extrem. Die Kreuzschmerzen heftig und das rechte Knie macht Probleme. Ich merke jedes Gramm des 13kg Rucksacks. Der Weg hierher hatte mehr was von schlürfen als von gehen. Mal sehen wie weit ich heute so noch komme. Ausgerechnet im Hohlkreuz macht der Rücken seit gestern Morgen ärger. Vorhin habe ich noch ein paar deutsche kennengelernt aus Erding - die Therme lässt grüßen ^^


Jetzt sitz ich hier schon seit einer h im Kaffee. Die Pilger kommen, schauen mich an als wäre ich bekloppt und gehen nach einem schnellen Frühstück wieder.
Ok ich bin definitiv der einzige weit und breit mit mehr als 100kg auf den Rippen. Eventuell hats auch damit zu tun, das die vermnutlich noch nie eine  Pilger  gesehen haben der eine Tastatur dabei hat und im Kaffe sitzt und Tippt.
Aber im ernst, das ist jetzt für mich Urlaub und Entspannung pur. Im Kaffee sitzen und etwas tun woran man Spaß hat. Und ja ich bin Technik bekloppt ^^

Tag 2 - Der Tag

Um halb vier war ich dann endlich in Santo Domingo de la Calzada.
So gut die Busstationen ausgebaut sind, so praktisch wäre es gewesen auf den elekonischen Anzeigen die Fahrpläne von Wochenfahrplan auf Sonntagsfahrplan zu ändern.

Aber es war toll wieder da zu sein. Lauter Dejavüs. Direkt fand ich die Bank wieder auf der ich das letzte mal so graziös wie ein Wasserbüffel zusammenbrach und Mitten in der Fussgängerzone erst einmal ein Nickerchen hielt.

Auch die Bar in der ich meinen letzten Knuppen hatte wurde sofort wiedererkannt.


Los gings. Leider hatte ich immer noch Kreuzschmerzen, die sich gleich bemerkbar machten. Die letzte Nacht war wohl nicht so dolle - und Nein ich hab nur geschlafen......

Die ersten Kilometer gingen auch entsprechend schwerfälig. Alles hat gekniffen und gemosert. Jeder der Sport macht kennt das, wenn die ersten Minuten erst einmal alles rebelliert im Körper und tausend wehwehchen sich melden. Gedanken, wie bescheuert man doch eigentlich sein muss. Eine Strecke die ich eben nit dem Bus in 3 min gefahren bin, zu Fuss ub 1h abzquälen.....das übliche halt.
Nach 1h war dann die erste Pause. Danach gings es etwas besser, nachdem sich die Muskulatur notgedrungen seinem Schiksal ergab und die Widerstände einstellte.
Trotzdem nach 8 km qualmten schon die Socken. Die Strategie heist diesmal viel eincremen und öfter mal die Schuhe ausziehen. Am liebsten hätte ich es jetzt schon sein lassen und wäre eingekehrt.

Jetzt merkt man erst einmal wie sehr man noch durch den Alltag gprägt ist und alles andere als abgeschaltet hat. 8km sind zu wenig. Ich blamier mich, vor allen und vor allem vor mir selbst. Das muss mindestens zweistellig sein als Untergrenze, es gibt ein Ziel und den Bonus will man auch noch. Erinnert mich dann doch an meinen Job.....

Als Tagesziel hatte ich mir 15km min gesteckt, Idealerweise bis Villariba oder gar bis Villabacho, weil da soll es eine günstige private Herberge geben mit Abendessen. 
Nach 12 km qualmten die Socken richtig. Sollte ich jemals wieder den Spruch prägen "Tagesetappen von 25k gehen ja noch" möge man mich auf der Stelle erschlagen. 
Nach einer Pause gings dann weiter. Immer mit der Gedankenwelt "Nur noch 2 km, bald bist du in Villa sowieso. Jetzt wurde es richtig anstrengend. Hier merkt man, das dies kein Spaziergang sondern sportliche Höchstleistung ist.



KM 15 Villa Rio del Roja der kurz Villariba

Die Herberge hier war nicht sehr einladend. Es ist mittlerweile knapp 7 Uhr. Die Füsse sagen genug und der Rest des Körpers stimmt freudig im Chor ein. Noch 3km bis Villabacho. Jetzt fangen die Qualen an.
Wenn man dann do ein Blick hat....

Schee....ewige weite Sicht und was sieht man.....nix.....das motiviert, von wegen 3km. Grmmml.

Man merkt auch wie azyklisch und assynchron ich gerade laufe. Ich habe nicht einen Pilger gesehen die letzten Stunden. Die letzten kamen wohl gegen Nachmittag am Ziel an und vereinzelt sah ich einen in Badelatschen im Kaffee sitzen und mich mittleidig anschauen.

KM 18 Ankunft Villamayor del Rio - kurz Villabacho um 20:20. Die Socken stehen in Flammen und alles tut weh.

Spülmittel hab ich hier keines bekommen und Leider auch kein Essen mehr. Zum Glück bekam ich wenigsten noch ein Sandwich und ein Bett. Wenn man überlegt, das das Bett 5 Euro kostet und das Sandwich 3.......

Das 8 Bettzimmr teilte ich zumn Glück nur mit 2 deutschen. Die Rentner Gerhard und Wolfgang aus Saarbrücken, mit denen ich mich noch eine Weile unterhielt.
Unter anderem erzählten Sie mir das Sie heute bei km 32 hier im Niemansland abbrachen, das Sie fertig waren......nach km 32 ..grml....

Gegen neun lag ich wie abgeschossen im Bett.....

https://www.runtastic.com/de/benutzer/tim-mobus/sportaktivitaeten#single_year_2015,month_05

Probier mal den Link.

Sonntag, 24. Mai 2015

Tag 2 - Burgos

11:00 Burgos
Kaum da und sofort wieder zurecht gefunden. Es ist als wäre ich nie weg gewesen. Lediglich die müden Knochen fragen zwischendurch an, ob Sie was nicht mitbekommen hätten und kneifen noch.

Ich war kurz davor hier schon zu starten, da ich quasi auf dem camino stehe. Der Bus zurück nach santo domingo fährt erst um 1, so das ich wohl erst gegen halb drei starte. Die beiden Etappen die dann Folgen sind 53km. In 2 Tagen kein Thema aber in 1 1/4..... Von hier könnte ich eine volle laufen.

Auf der anderen Seite weiß ich, das ich mich immer daran Stören werde, wenn ich auch nur eine Etappe auslasse. Irgendwie hat das dann was unvollendetes.

Außerdem hat's da noch die vielen coolen kleinen Kaffees die mich wieder in Ihrem Bann haben und die Wartezeit versüssen.
An der spanischen Infrastruktur können wir uns oft eine Scheibe abschneiden. Während wir einen Gesetzentwurf zu WiFi haben, gibt's das hier überall kostenfrei ohne Anmeldung. Selbst im Bus.
Die Stadtreinigung hält selbst Sonntags alles sauber.
Fernbusse haben wir seit 1 Jahr, hier gibt's ein ganzes Netz mit riesigen überdachten Stationen.
Die Kaffee und Barkultur mit der gepaarten Ruhe und Gelassenheit sucht eh seines gleichen.



Im Moment kann ich mir gar nicht vorstellen irgendwelche sportlichen Leistungen zu vollbringen. Der Kaffee ist unbeschreiblich gut, draussen nur 12 Grad......

Also mache ich jetzt mit dem weiter , womit ich letztes Jahr aufhörte und das kleine Pilger immer noch am besten können.....


Tag 2 - Aufbruch

Sonntag morgen Santander.

Aufstehen um 6. Brrrrrrrrrr
Zum Bahnhof um 7. Busabfahrt um 8. Ein Glück das ich die Tickets schon habe. Hier ist kein Mensch. Zum Glück hat der Bäcker schon auf. Dafür sind die Unterirdischen Busbahnhöfe schon gut gemacht.


Es ist schon interessant morgens die Leute zu beobachten.
Da rennt eine verzweifelte Pilgerin umher auf der Suche nach dem Bahnhof. Dabei steht Sie genau davor.......
Ob die wohl jemals ankommt ?
Oder, der "Businessman" mit Rolli, der eine Öffentliche Waage entdeckt hat und diese nach rund 10x Wiegen, für defekt erklärte. Interessanterweise hat er sich dann erst mal umgezogen. Vermutlich was leichteres....
Da ist Christine aus Gau Algesheim, die Ihre Freundin in Burhos trifft und nur eine Woche wandert. Interessant war als Sie erklärte , das Ihre Freundin Schienbein Probleme hat und auf der letzten Etappe vor Burgos abbrach weil Sie für 7km volle 2h brauchte. Ich packe in Höchstform nur 4,5km die Stunde. (inklusive Fotografien und Orientierung) .... Auweia..... 

Da sitz ich nun mit meinem Mini Rucksack. Die Schultern und das Kreuz haben auf den 500m von der Pension zum Busbahnhof gleich gemault, das Sie wieder ins Bett wollen. Die Hüfte hat überdeutlich ebenfalls jede Form von Gewicht abgelehnt.
Mal schauen wie der Tag wird....
Auf jeden Fall ist schon mal gut das Christine im Bus gleich den Platz vor mir hat. 3h Busfahrt werden doch schnell langweilig.