Sonntag, 8. Juni 2014

Pilgeralltag

Langsam stellt sich sowas wie ein Pilgeralltag ein. In den Herbergen wird der kleine Pilger um 6 geweckt. Oft auch früher, denn einige wollen um 6 schon auf der Piste sein. Zu verlassen hat man die Herberge bis 8:00. Entweder die Herberge oder die umliegenden Kaffees bieten ein Pilgerfrühstück meist bis halb neun an, für 3-4 Euro. Das besteht meist aus Caffe, Orangensaft, ein Chrosaint oder ein Stück Baguette mit Marmelade.
So gestärkt geht's dann auf Pilgerschaft. Diese Wanderung dauert je nach Strecke, Entfernung und Zustand des Pilgers, in der Regel zwischen 6h und 9h. Unterbrochen wird diese durch faktisch jede Tränke, diversen Bars und schattigen Plätzen.
Bei Ankunft wird dann kollektiv der erste Brunnen, gefolgt von der erstbesten Herberge, gestürmt, die leider auch immer die teuerste ist. Nach diversen Stossgebeten und Aufbringung der letzten Reserven humpelt man dann meist noch einen km weiter bis in die Stadtmitte.
Ist ein Herberge gefunden und ein Bett zugewiesen - Gott weiss wie lange sowas dauern kann - diese 10 min. fühlen sich an wie Stunden  - bekommt man noch einen Stempel in den Pilgerpass. Ohne den gibt's kein Bett.
Meist ist jetzt zwischen 17:00 und 19:00 und es folgt mit erreichen des Bett der völlige körperliche Zusammenbruch.
Ca. 1-2h später, wenn die Schmerzen vergehen, Folgen die ersten Wiederbelebungsversuche und der oftmals wagemutige Versuch sich zu bewegen und eventl gar aufzustehen.
Hat man diese letze Hürde irgendwie genommen, folgt die Dusche und dann die Wäsche.
Hat man jetzt noch Kraft geht's zum Essen. Entweder was einkaufen in einem der zahlreichen Tante Emma Läden, welche das Stadtbild prägen, oder in eine Bar. Dort gibt es fast überall ein Pilgermenu. Dies besteht immer aus 3 Gängen und Wasser oder alternativ Rotwein. Rotwein scheint hier zu so ziemlich allem die Alternative zu sein bzw. die Lösung....
Spätestens um 22:00 geht es ins Bett, da je nach Herberge zwischen 22:00 und 22:30 das Licht gelöscht wird. Binnen Minuten werden wir kleinen Pilger mit einer guten Nacht Musik in den Schlaf gewogen. Leider müssten bei den meisten die Instrumente neu gestimmt werden, denn bei dem schiefen Geschnarche.....
In den Herbergen der Stadt darf man immer nur einmal Nächtigen.  So wird schmarotzenden Pilgern vorgebeugt. Es gibt 2 Arten von Herbergen. Die offiziellen und die privaten. Die offiziellen haben meist zwischen 60 und 180 Betten. Diese sind in großen Schlafräumen von 6 bis 120 Betten untergebracht. Grundsätzlich handelt es sich immer um 2er Hochbetten. Die offiziellen Herbergen Kosten zwischen 5 und 8 Euro die Nacht. Ausgestattet sind diese meist mit WiFi, Dusche, Toilette, Waschmaschine und Küche. Wer jetzt glaubt das Pilger zu müde zum kochen sind, muss einmal eine Horde Italiener Live......
Die Privaten Herbergen si.d meist kleiner. Insgesamt meist zwischen 12 und 50 Betten, untergebracht in Räume von meist 8-10 Betten. Die Ausstattung ist meist gleich, trotzdem sind diese mit 8- 12 Euro deutlich teurer. Ausnahmen sind die kleinen, aus dem Ausland von Jakobsweg Freunden, betriebenen Herbergen die es vereinzelt gibt. Diese sind sehr liebevoll gestaltet und es steht der Pilger im Vordergrund, nicht der Kommerz. Die casa Paderborn in Pamplona und die casa Austria in Los arcos sind solche leuchtenden Beispiele.

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Tag 8 - nach Vienna


Rückblick


Heute geht's nach Logrono - 29km. Bei der Katerstimmung hab ich da allerdings so meine Zweifel....
Gestern ging das gehen etwas besser, da die Wege flacher werden und besser befestigt sind. Allerdings brennen die Füsse immer noch höllisch bei der Ankunft. Positiv fällt auf, das die Muskulatur immer besser wird. Auch die Erholung nach dem obligatorischem Zusammenbrechen am Ziel geht schneller. Allerdings wird das heute eine Mörderetappe.
Gestern bin ich ein Stück mit einer Französin gelaufen - Adleine. Es ist interessant was für Hintergründe die Leute hier haben. Es gibt 5 Gruppen, die den ganzen Weg gehen. Die Urlauber wie ich, die mit Burn-Out, Arbeitslose, Studenten und Rentner. Die Arbeitslosen und Burn-Out Kandidaten stellen rund 80%.....  Es gibt auf dem camino eine Weisheit : "Was du auf dem camino hoffst zu finden, wirst du selten finden. Aber der camino lehrt dich jeden Tag etwas Neues.". Und das kann ich nur unterschreiben. z.B. Das man nur selbst sein Ziel erreichen kann, aus eigener Kraft. Kein anderer kann den Weg für dich gehen.
Man merkt schnell auf Weg, auf wen man sich verlassen kann und wen nicht. Wildfremde kommen plötzlich daher und nehmen Rücksicht auf einen und pushen dich. Eine solche Solidarität wie hier, hätte ich in unsere Welt nicht mehr für möglich gehalten.
Gestern habe ich mich wieder Kim und dem verrückten Franzosen Xavier angeschlossen. Direkt waren noch andere dabei, welche ich auch zum Teil schon kannte. In 6er Gruppe mit viel Spass ging's zum Ziel nach Los arcos.

Ein Teil ist schon auf dem Weg und ich breche auch auf..Xavier und Kim kurieren noch den dicken Kopf beim Kaffee aus und die anderen sind schon los...Werde jetzt auch gehen.....Das wird ein harter Tag mit einer mörderischen Sonne.

Ankunft Vienna

Geplant war heute eine Reise nach Logrono, insgesamt 29 km. Der Abbruch erfolgte in Viana wo wir gegen 15:00 ankamen. Bereits um 10:00 hatten wir 22 Grad, keine Wolke, kein Wind, gefühlte 35 Grad. Gegen 3 dann 32 Grad im Schatten.....wobei man den unterwegs vergeblich suchte. Die Sonne brennt hier unbarmherzig brutal und trotz mehrere Lagen Sonnencreme habe ich das Gefühl überall Sonnenbrand zu bekommen - selbst unter dem T-Shirt. Gestartet bin ich heute Morgen in den Trekkingschuhen, musste aber nach 2 km auf Sandalen umstellen, da rechts an der Ferse die Reibung ungewöhnlich groß war. Als würden Sonne und dicke Birne nicht ausreichen, ging's nur noch auf und ab. Vorstellen kann man sich das so, als ginge man permanent über die Kauzenburg - hoch und runter, immer wieder. Durch die Sandalen hab ich wieder Schmerzen im Sprunggelenk, vor allem links. Kim die ebenfalls notgedrungen in Sandalen reißt hat das selbe Problem, was zeigt das die Füsse völlig überlastet sind.
Gestartet sind wir heute in 2 Gruppen mit 1h Abstand. Ich bin offenbar nicht der einzige der Morgens etwas Zeit braucht *ggg......
Zusammen mit Xavier erreichten wir Viana und ich war gefühlt dem Zusammenbruch nahe. Ständige Schmerzen und der Kampf gegen Überhitzung, waren zuviel. Eine Wüstendurchquerung kann kaum schlimmer sein. Zumindest sah es danach aus, als ich am Ortseingang die Wasserstelle entdeckte und wie ein halbverdurstetes Kamel.....
Die erste Gruppe ging bis Logronos. Weitere 9km hätten mich allerdings umgebracht. Obwohl ich literweise Wasser in mich reinkippe reicht das nicht. Wohl unter übel hat sich der verrückte Franzose von uns getrennt und zum Rest aufgeschlossen, während ich mit Kim die Herberge beziehe. Leider ist auch die Gruppe um die verrückte Holländerin Franzi ebenfalls eins weiter........







Samstag, 7. Juni 2014

Tag 7 - Los Arcos und seine Helden


Heute geht's nach Los Arcos oder auch nicht. Ich probiere es heute nochmal mit den Trekkingschuhe, weil diese durch ihre Puffer an der Ferse die Schritte abfedern und die Gelenke entlasten. Gerade das linke macht mir ein wenig zu schaffen.
Ich sehe wie mittlerweile immer mehr Leute den Gepäckservice nutzen und nur mit leichtem Proviant marschieren. Offenbar bin ich nicht der einzige der humpelt. Die Art zu gehen, bei der man versucht mit dem ganzen Fuß aufzusetzen ohne dabei über die Ferse abzurollen, sehe ich hier öfter.
Auf geht's.......





Kimi


17:00 Ankunft in der Casa Austria

Ohne Worte


Andi + Franzi

Miquel + Xavier
Kimi + Xavier
Die Helden von Los Arcos  - bei Ihrem selbstlosen Einsatz - an der Bar 

Wir hatten Glück, hier gabs eine Stiertreiben quer durch die Stadt, ähnlich wie das berühmte in Pamplona. Interesant sind vor allem die weis gekleideten Läufer mit ihren roten Schergen - alle mit den Insignien ihrer Heimatstadt. Der ganze Stolz von Los Arcos. Und was sind die gerannt als die Stiere kamen. Als wäre der Teufel hinter ihnen her - direkt in die nächste Bar. Dort haben Sie dann alles gegeben , währende die Stiere verzweifelt nach Opfer suchen und sich mit fusskranken Pilgern begnügen mussten. Für den Einsatz wurden Sie dann von den Stadtoberen wie Helden gefeiert....also heute Morgen um 8 feiern die immer noch....laufen kann zwar keiner mehr ...wahre Helden eben....
Ich bin auf einem Fest ein einer kleinen 10.000 Einwohner Stadt und treffe alle 5 Meter ein bekanntes Gesicht das mit einem anstößt oder einem etwas ausgibt. Da war Markus und Andreas aus Bayern, beide ausgebrannt und echt dufte Typen. Der Ire Bernie, Franzi aus Holland, Vitktor mit seinen beiden erwachsenen Töchtern Steffi und ähm ja, aus Bergen op zoom. Selten sah ich einen stolzeren Vater....zu recht. Dann das Sprachtalent Elena aus Italien. Spanisch, Italienisch, Französisch spricht Sie wie Muttersprachler. Portugiesisch und Englisch fließend sowie etwas deutsch und chinesisch. Diego aus Italien, Miquel aus Frankreich und und und....Wenn ich da an meinen letzten Besuch des Kreuznacher Jahrmarkts denke.....

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Freitag, 6. Juni 2014

Überleben

Langsam nerven die ganzen Probleme. Mein linkes Sprunggelenk ist offenbar total überlastet, Blase 4 direkt auf dem Fussballen. Die Ausrüstung erweist sich als lauter Fehlkäufe. Der Rucksack, ist absolut top aber viel zu gross und schwer, für sowas. Der Schlafsack mag zwar bei der Armee gut Dienste leisten, ist aber ebenfalls zu Dick und schwer, selbst für das Bergklima. Hier hab ich alleine 4,5 kg wo andere 2,5 haben. Vorhin traf ich eine Engländerin, die hatte insgesamt nur 7. Ich aktuell rund 13-14kg. Lediglich die Sandalen erweisen sich als ganz ok, wobei ich mich Frage wo die neue Blase herkommt. Viele reiben die Füsse mit Hirschtalg ein, was sehr gut sein soll. Allerdings übersetzt das mal ins Spanische oder Englisch. Gott weis ich habs versucht inkl. Google Translater, mit Händen und Füssen auf Deutsch, Spanisch, Englisch und Kauderwelsch. Jetzt hab ich was in der Apotheke bekommen, das schwer nach einem Antitranspirant für Füsse und Schuhe aussieht. Na Toll, bekomme ich halt immer noch Blasen aber dafür schwitzen die Füsse weniger. Vor allem bei Sandalen sehr sinnvoll^^.
Ich geh mittlerweile wie ein 90 jähriger, neben dem jemand herlauft zum aufpassen das er nicht umfällt.
Heute Mittag haben die Füsse derart gebrannt...ich war sicher die Tagestour vorzeitig zu unterbrechen. Nach 1,5h Pause, in der ich auf dem Boden vor einer Bar lag und alle 4e von mir streckte, ging's wieder. Mir war egal, was die anderen alle dachten. Bestimmt jeder 2te sagte mir mein Rucksack wäre zu schwer, als ich da wie abgeschossen lag - auf allen Sprachen die man sich vorstellen kann. Ok der sieht wirklich aus, als wären da 20kg drin. Kim und Ihren verrückten Franzosen musste ich ziehen lassen, dafür hab ich den Rest der Strecke mit dem Bulgarier Vladimir zurückgelegt. Netter Kerl, quasselt ohne Ende, ist der erste der meine Figur hat, in Pamplona gestern startete aber auch irgendwie merkwürdig ist. Bin nicht wirklich unglücklich darüber das wir in der Herberge zwangsgetrennt wurden, weil nur noch 1 Bett frei war.
Mit meinen Wanderstöcken, die mittlerweile mehr die Funktion von Krücken haben, krieche ich eh schon wie eine beinamputierte Spinne.
Man kann sich vorstellen was ich.mit diesen am liebsten gemacht hätte, als die Herbergstusie mir das letzte freie Bett im dritten Stock........
Muss echt überlegen , etwas kürzer zu treten. Allerdings verliert man dann Leute aus den Augen, die man kennenlernt, da diese in der Regel auch die Standartetappen laufen. Morgen sind wieder knapp 20km auf dem Plan....

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Tag 6 - Estelle

Rückblick

Gott brummt mir der Schädel.....Hölle.
Bei den spanischen Pilgermenus gibt’s immer entweder Wasser oder Rotwein dazu. So lecker der auch ist, der hat meist richtig viel Drehzahlen.
Notiz an mich : Beim nächsten mal öfter Wasser bestellen.
Der Tripp gestern Endete wie alle vorherigen mit heftig schmerzenden Füssen. Ich merk immer wieder, das ich einfach zu schwer bin für sowas. Meist ab km 20 oder 7/8h laufen ist es vorbei. Danach wird es zur Quälerei. Allerdings ist das nächste Etappenziel dann in greifbarer Reichweite und wer will schon kurz vorm Ziel aufgeben. Leider zeigen sich jetzt auch die Vorteile die ein Springerstiefel hatte. Dadurch das diese hoch sind, war das Gelenk geschützt. Gestern tat mir erstmals selbiges weh.



Bei der Ankunft, war noch die offizielle Herberge belegt und ich musste noch einen km weiter. Leider hab ich mir auch gleich noch einen heftigen Sonnenbrand geholt. Obwohl den ganzen Vormittag bewölkt und bei Wind eher kalt, brennt die Sonne hier weit stärker als bei uns. Die Spanier Wissen, warum Sie um 1 die Bürgersteige hochklappen und erst gegen 6 wieder aus Ihrer starre erwachen.
Langsam wird mir auch klar, warum, die meisten Pilger so extrem früh aufbrechen...Es gibt nur wenige bekloppte die durch die Nachmittagssonne rennen.
Ziel heute ist Estelle in 22km.

KM 13 - 12:30

Die Wege sind hier echt anspruchvoll. Ich bin mir sicher das dies oftmals alte Römerstrassen sind, auf denen wir laufen. Leider wurden diese auch von denen zuletzt ausgebessert. Die Sandalen sind über große Strecken völlig ungeeignet. Auf diesen Wegen geht es auf und ab. Dazu kommt noch, das durch die grossen Wacken auf den man läuft der Fuß permanent irgendeine Schrägstellung ausgleichen muss. Mir schmerzen die Füsse höllisch.
Obwohl ich noch Kraft habe, sind meine Füsse jetzt schon wieder komplett am Ende und ich hab noch fast 10km vor mir ... und das in der Mittagssonne.....

Ankunft Estelle

Blase 4 ist da und ich geh sterben - Tilt

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Donnerstag, 5. Juni 2014

Tag 5 - Puente la Reunia - Magische Momente

Auf nach Puente la Reunia

Es ist kurz vor neun und ich sitze vor meinem dritte Milchkaffee im Iruna, einem wunderschönen Kaffee im Jugendstil.
Meinen Waden geht es besser und ich kam sogar trotz Blasen und abgtapter Stellen am Fuss wieder in die Trekkingschuhe rein. Dafür habe ich eine dritte Blase im entstehen gefunden und einen Muskelkater in beiden Arschbacken. Und der ist vom feinsten.
Die nächste Etappe sind 25km .....Urgs.
Auf geht's..........

KM 10
Gott qualmen mir schon wieder die Socken.
Die Schuhe drücken ohne Ende, da die Füsse wieder anschwellen. Bei Wanderschuhen kaufen erfahrene Wandere bis zu 2 Nummern größer als normal, hat mir Franz gestern erklärt. Ich steige jetzt auf die Sandalen um.
Vor mir liegen noch 14km und der Berg der qualen, wie ich Ihn nenne....
Offenbar scheint der camino in der Gegend auch ein beliebter Wander und jogging weg der lokalen Eingeborenenstämme zu sein - vorhin ist mir sogar eine Schulklasse begegnet.







KM 15 - Strike
Der Gipfel ist erklommen, der Berg der Qualen besiegt, ich fühl mich grad wie Rocky Teil 1.
Mit Hilfe der Sandalen, Wanderstöcke und der Musik Invincibel von 2 Steps from Hell bin ich den Berg förmlich raufgesprintet.
Die Aussicht hier ist einfach grandios. 50 km Sicht - das kann keine Handykamera einfangen.
Jetzt kommt der Abstieg nach la puente reunia.....






Magische Momente

Nach einem heftigen Abstieg durch lauter Geröll, kam ich an einen Baum mit einer Bank darunter. Dieser Ort hatte schon von weitem etwas magisches. Mit jedem Schritt dem ich Näher kam hörte ich die Melodie des Windes etwas mehr. Auch der Gesang der Vögel wird immer intensiver. Kurzerhand hab ich mich auf die Bank gelegt und bin direkt eingenickt. Ich weiss nicht, wann ich das letzte mal bewusst dem Gesang eines Vogels wahrgenommen habe. Im Moment ist das hier der friedlichste Ort auf der Welt und ich wollte nirgends anders sein, als jetzt und hier auf dieser Bank unter diesem Baum umklammert und Beschützt durch seine starken Äste die sich wie eine schützende Hand um mich legen.
Ich habe noch nie einen Baum umarmt, aber im Moment umarmt der Baum mich.
Ausser dem Gesang der Vögel und des Windes im Blätterwald ist hier nichts zu hören. Lediglich ein paar Pilger stolbern vorbei. Keiner nimmt diesen Ort war.......

Ankunf in Puente la was weis ich

Sterben

Der Tag

Die Spanische Sonne ist die Hölle. Obwohl den halben Tag bewölkt...blabla..gebrannt wie Hölle...blabla...Sonnenbrandt...sterben.
Hab heute Kim kennengelernt. Eine 42 jährige Koreanerin mit Schwedischen Adoptiveltern aus Dänemark. Die Frau ist der Hammer, fast eine Seelenverwandte....Leider vergeben...grmmml....
Nachdem der Bayer Markus 2 Flaschen Rotwein ausgegeben hat + die zum Abendessen + meine, welche Kim und ich fast alleine, blablaba .....ich fall jetzt ins Bett bis moche....Nacht

Mittwoch, 4. Juni 2014

Tag 4 - Pamplona - Pause

Pamplona - Pause

Heute haben wir in der offiziellen Herberge übernachtet, da die cassa Paderborn voll war. Leider war die Nacht sehr laut, weil vorm Gebäude ein kompressor auf Hochtouren lief. Die Herberge war ebenfalls eher bescheiden - eine Art Kathedrale mit rund 150 Betten....
   
Frau von der Leyen wurde da keinen Soldaten unterbringen.



Casa Paderborn - eine der bekanntesten und beliebtesten Aubergen

   
Die anderen sind schon um 07:30 aufgebrochen auf eine 25km Etappe nach Puente la Reina, auf der auch noch ein sehr hoher Berg zu überwinden ist. Für mich im Moment nicht machbar. Ich werde mich in der cassa Paderborn einquartieren. Für gewöhnlich ist es nicht gestattet 2 Nächte in Herbergen zu nächtigen am selben Ort. Gesundheitliche Gründe bilden zum Glück eine Ausnahme.  Wenn ich alles anführe was grad zwickt.....aber eine Woche pamplona wäre dann doch zu lang.
   
Heute Morgen war ich auf der Post und hab Stiefel und Wäsche heimgeschickt. Leider sind die Postler hier genauso humorlos wie in Deutschland. Ich muss einfach  versuchen meine Gesichtsentgleisungen mehr im Zaum zu halten. Offenbar werden die hier anders interpretiert. Anders kann ich mir das schimpfende Kauderwelsch nicht erklären, das auf mich einprasselte, nachdem die Schalterbeamtin mir den Preis zeigte und meine Reaktion abwartete. Vielleicht war ich auch nur kurz zu Stein erstarrt, aber wer ist das nicht bei €45,40....
   
Katja hat sich gestern neue Schuhe besorgt und ich habe wieder die Trekkingschuhe an. Leider sind wie erwartet die Füsse leicht stark angeschwollen, so das ich kaum noch reinkomme. Ich kann zwar bedeutend besser gehen, habe aber jetzt das Gefühl an manchen Stellen das Blut abzuschnüren. Werde hier wohl unter übel noch Wandersandalen kaufen.
   
Leider läuft das ganze auch kostenseitig völlig aus demRuder. Im Vorfeld habe ich schon rund 500 Euro ausgegeben, für die Trekkingschuhe (130), Aufbereitung der Springer (90), Rucksack (120, Isomatte, 2 paar Wandersocken (40), Wollsocken, Mikrofaserhandtuch, Tape, Blasenpflaster, usw. Dazu hier jetzt nochmal 200 für Post, Wandersandalen, Kappe mit Nackenschutz vor der Sonne und Stöcke. Die Reisekosten betragen knapp € 200 Euro und die Tageskosten Ca. 25 - 30, also in 2 Wochen nochmal € 350 - 420. Teurer als 2 Wochen Kanaren im 4 Sternehaus. Insgesamt also € 1300 bei geplanten € 850.

Interessant ist auch welche Leute man immer wieder trifft und vor allem, bei wem man alles in Erinnerung bleibt. Gestern Abend ging ich durch die Bettreihen und grüßte instinktiv eine junge Frau die da sass. Plötzlich sprang diese auf und fragte wie es meinen Füssen ginge, gefolgt von tausend Tipps. Ich hab etwas gebraucht bis ich realisierte, das wir uns am Vorabend in Zubiri gesehen haben. Der Sprachstudent Sebastian hatte mit ihr geflirtet als wir gemeinsam in der Küche saßen. Dabei fragte er mich plötzlich was Bindfaden auf Englisch heißt. Das war zuviel für mich - ich bin in einem schallenden Gelächter ausgebrochen. Meine hätte er mich gefragt was Tisch oder Stuhl auf Englisch heißt - aber sowas abgedrehtes wie "Bindfaden"....Da die Ungarin kein Wort von dem was da vor sich ging Verstand, musste Sie auch laut loslachen. Als Sebastian mich dann, völlig irritiert von dem was da vor sich ging, fragte ob ich denn wenigstens wüsste was Nähgarn auf Englisch hieß, konnte ich mich kaum noch auf dem Stuhl halten. Das fragt der ausgerechnet mich, wo ich doch selbst kaum Englisch kann.
   
Auf der Post vorhin Stand plötzlich der Amerikaner Mike vor mir, der auch eine Pause einlegt und ein Paket zum heimschicken holte. Mike ist wirklich eine äußerst angenehmer Mensch mit dem ich mich gerne unterhalte, nicht zuletzt weil er ein sauberes Englisch spricht und nich so ein englisch ähnliches gequake.
   
In der Stadt hörte ich plötzlich ein lautes "Guten Morgen". Als ich mich umdrehte standen da 3 Spanier/innen vor mir die mich in gebrochenem Deutsch fragten wies mir ginge, was meine Beine machen und ob ich Fit genug für die nächste Etappe sei. Die drei kamen mir auch bekannt vor, ich glaube kurz vorm Gipfel der ersten Etappe, hatten wir uns bei einer Pause getroffen, sicher bin ich mir aber nicht.
   
Ich kann durch Kreuznach stundenlang gehen ohne ein bekanntes Gesicht zu sehen, geschweige denn das sich jemand für mich interessiert. Aber hier in einer völlig fremden Stadt am Arsch der Welt.....
Überhaupt spielen Nationalität auf dem camino und unter den Pilger absolut keine Rolle mehr. Ich bin erstaunt wie viele Asiaten, Amerikaner ich hier sehe. Mike hatte mir z.B. erklärt, das er vor Jahren eine Doku gesehen hat im amerikanischen TV. So findet der camino offenbar seinen Weg um die Welt.

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Impressionen aus Pamplona

Pamplona ist eine wunderschöne Stadt. Man hat hier den Eindruck im Mittelalter stehen geblieben zu sein. Die ganze Innenstadt ist verwinkelt mit kleinen Gässchen wie in der Kreuznacher Altstadt. Nur während diese langsam ausstirbt, pulsiert hier das Leben.
Und es gibt Sie tatsächlich, die Spanische Siesta. Ab 13:00 stirbt die Stadt aus. Die meisten Geschäfte schließen und nur noch Bars uns Kaffees sind geöffnet. Dazwischen ein paar Touristen und ein paar dösende Leute in der kargen Sonne. Was ursprünglich einmal als Schutz vor der Mittagssonne diente, hat man hier offenbar zur Lebensart erklären. Heute hatten wir 14 Grad.....
Wer allerdings, kleine gemütlich Kaffees liebt, kann hier alt werden. Überhaupt scheint hier das Tempo langsamer zu sein als bei uns. Während wir von Optimierungen und Effizienzsteigerungen getrieben sind und unsere Städtczntren nur noch durch Ladenketten und Konzerne dominiert wird, steht hier die Zeit förmlich still. Hier reiht sich ein kleines Lädchen neben das andre, alle spezialisiert und mit erwähnter Mega Mittagspause. Große Läden und Ketten wie Lidl oder Zara sind hier eher die Ausnahme. In der Innenstadt hat es z.B einen Burgerking an dem ich 5x vorbei kam - immer leer, aber die Kaffee's drumherum gut besucht. Nun muss man fairerweise auch dazusagen, das die Kaffees hier in der Regel auch Teestube, Bar und Restaurant sind. Die Menschen hier Wissen offenbar zu leben.

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Der Tag in Pamplona

Den Tag habe ich heute genossen. Nachdem ich die Post und Herbergs suche erledigt hatte, war Wäschewaschen angesagt. Ich hatte nur 2 paar Socken, ein T-Shirt und 2 Unterhosen.
Da ich nicht eingesehen habe für Waschmaschine und Trockner 6 Euro auszugeben, hatte man in der casa Paderborn direkt die Lösung. Hinterm Haus war das Waschbecken mit Bürste und einer Schleudern aus 1965. Handwäsche. Ich und Wäsche sind eh zwei Dinge die nur mit Not Kompromissen funktionieren.Aber Handwäsche...
Nach einem halbstündigen Drama habe ich die Sache aufgegeben und den Kram in die Schleuder geschmissen. Stink ich halt.
Allerdings mochte die Schleudern offenbar keine halb gewaschenen Sachen und fing an  wie verrückt zu Klopfen und umher zu springen. Auch als ich diese mühsam wieder eingefangen hatte, bockte die weiter als wäre die Trommel die Unwucht in Person.
Als ich dann das Schild las "bitte Wäsche nicht einfach einwerfen, sondern gleichmäßig am Rand verteilen" wurde einiges klar. Die Trommel hatte wirklich nur ein Lager und wenn alles in der Mitte liegt, ist der Klumpen nach den ersten Umdrehungen auf einer Seite und verursacht eine extrem Unwucht.
Bei nächster Gelegenheit muss ich unbedingt noch "manuelles Waschen" googeln.......

Wer eine Schwäche für kleine gemütliche Kaffees hat, kann in Pamplona alt werden. Gefühlt habe ich jedes zweite Kaffee besucht und dort gelesen. Daher ist es jetzt an der Zeit sich von "Bob der Streunen" zu trennen.
Das Buch erzählt die Geschichte eines drogenabhängigen  Sozialhilfeempfänger auf Entzug, welcher sich als Straßenmusiker in London durchschlägt. Dieser findet plötzlich eine halbtote Katze und päppelt diese auf. Seit dem weicht ihm der Kater nicht mehr von der Seite, auch nicht im Bus oder auf seiner Arbeit als Straßenmusiker. Bevorzugt reist der Kater liegend auf dem Rucksack in seinem Nacken.
Katja hatte sich das Buch vor unsere Abfahrt gekauft und kurz vor Bayone durch. Sie übergab es mir zum wegwerfen. Dummerweise war das Buch so gut und die Geschichte von Bob dem Kater so spannend, das ich das Buch nicht wegwerfen wollte. Auf einer Reise wo jedes Gramm Gewicht zählt ist Papier reiner Luxus und erhöht.nur die Qualen. Trotzdem habe ich Bob, trotz unzähliger Aufforderungen, nicht entsorgt, sondern zu Fuß über die Pyrenäen getragen. Unterwegs wenn die Last übermäßig wurde, musste ich immer an das Buch und Bob denke, aber irgendwie war es so als würde der Kater auf meiner Schulter mitreisen.......
Wer mag kann einmal bei YouTube nach "Bob the big issue cat" suchen :)

In der Stadt habe ich natürlich zum dritten mal Mike getroffen, aber auch einen Bettler kennengelernt. Einen schwarz Afrikaner aus Nigeria namens Ralf. Ein bemerkenswert sympathischer Mensch mit dem ich mich bestimmt ein halbe Stunde unterhalten habe.

Die casa Paderborn ist ein bemerkenswerter Ort. Gerda und Andrea sind pensionierte deutsche die der Herberge eine Fürsorglichkeit und Wärme geben wie ich sie selten erlebt habe. Auch hier kann man gar nicht anders als Leute kennen zulernen. Den Abend habe ich mich mit dem 71 jährigen ExSoldaten Dieter und seinem 72 jährigen Freund Franz unterhalten. Gut das ich immer spät losgehe, mit diesen zwei alten könnte ich nie Schritt halten.....


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